Kalorienarme/-freie Süßstoffe brauchen eine bessere Kommunikation hinsichtlich Risiken und Nutzen, damit die empfohlene Reduzierung des Zuckerkonsums erreicht werden kann

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Die wichtigsten Auszüge aus dem Symposiumsbericht zur Konferenz FENS 2019

Das Wichtigste in Kürze:

  • Um die empfohlenen Ziele bei der Reduzierung des Zuckerkonsums zu erreichen, ist die Implementation einer Reihe von Strategien im Bereich der öffentlichen Gesundheit erforderlich, darunter eine Reduzierung der Portionsgrößen, die Förderung gesünderer Ernährungsenscheidungen und die Reformulierung von Speisen und Getränken.
  • Kalorienarme/-freie Süßstoffe können bei der Reformulierung von Produkten helfen, denn durch sie lassen sich Zucker ersetzen und die Kalorien in Speisen und Getränken reduzieren, wobei der süße Geschmack jedoch erhalten bleibt.
  • Vor der Zulassung ihrer Verwendung in Lebensmitteln durchlaufen kalorienarme/-freie Süßstoffe eingehende Sicherheitsprüfungen durch Zulassungsbehörden in aller Welt, und dabei wurde ihre Sicherheit bestätigt.
  • Trotz ihrer behördlichen Zulassung und ihrer nützlichen Rolle bei der Zuckerreduzierung bestehen Behauptungen hinsichtlich eventueller Nebenwirkungen fort, von denen die meisten eine dürftige, geringe oder gar keine wissenschaftliche Grundlage haben.
  • Wo Fehlinformationen vorliegen, muss man diesen begegnen, um eine ausgewogene Wiedergabe der Forschungsgrundlagen in ihrer Gesamtheit zu gewährleisten.

 

Vorliegender Artikel erörtert die wichtigsten Ergebnisse, die ein Symposiumsbericht von Gallagher et al1 zu den Präsentationen und Diskussionen bei einer vom Süßstoffverband ISA organisierten Veranstaltung resumiert, dem Wissenschaftlichen Symposium bei der 13. Europäischen Ernährungskonferenz (FENS 2019). Die Reduzierung des Zuckerkonsums ist eine Priorität des öffentlichen Gesundheitswesens. Vor diesem Hintergrund war es das Ziel des Symposiums, die Forschungsbelege und wissenschaftlichen Empfehlungen zur Verwendung kalorienarmer/-freier Süßstoffe und zu ihren potentiellen Vorteile zu erörtern. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf den Auswirkungen auf Körpergewicht und Blutzuckerkontrolle, und auch die Ausrichtung zukünftiger Forschungen wurde thematisiert.

Mit Blick auf die vorliegenden Forschungsergebnisse aus klinischen Studien am Menschen, wie sie aus systematischen Auswertungen von Studien und aktuellen Metaanalysen hervorgehen, kommen die Autoren zu dem Schluss, dass kalorienarme/-freie Süßstoffe bei der Reduzierung der Energieaufnahme und dadurch beim Körpergewichtsmanagement helfen können, sofern sie als Ersatz für Zucker und mit Zucker gesüßte Produkte in der Ernährung verwendet werden.

Hinsichtlich ihrer Auswirkungen bei Diabetes und auf die Blutzuckerkontrolle sorgen kalorienarme/-freie Süßstoffe im Vergleich mit Zucker für niedrigere Blutzuckerspitzen. Das ist wichtige für Menschen mit Diabetes, die ihren Blutzuckerspiegel kontrollieren und Blutzuckerspitzen vermeiden müssen. Bei Vergleichen kalorienarmer/-freier Süßstoffe mit Wasser oder Placebo zeigen sich ähnliche Auswirkungen auf die Blutzuckerkontrolle oder das Körpergewicht – man darf von ihnen also nicht erwarten, dass sie eine pharmakologische Wirkung hätten oder eine Verringerung des Körpergewichts bewirken würden.

Die potentiellen Vorteile der Verwendung kalorienarmer/-freier Süßstoffe verstehen und vermitteln

Es ist wichtig, die potentiellen Vorteile kalorienarmer/-freier Süßstoffe zu verstehen, um die Kommunikation zu den Risiken und Vorteilen dieser Zusatzstoffe zu verbessern. Mit kalorienarmen/-freien Süßstoffen lassen sich Produkte mit süßem Geschmack formulieren, die keinen oder weniger Zucker haben oder kalorienfrei sind. Wenn also jemand Speisen oder Getränke mit kalorienarmen/-freien Süßstoffen statt deren mit Zucker gesüßten Entsprechungen konsumiert, nimmt er pro Tag weniger Kalorien zu sich und das kann unter dem Strich über einen gewissen Zeitraum hinweg zu einem zumindest moderaten Gewichtsverlust führen. Dieser Effekt ist hingegen ohne Zuckerersatzstoffe in der Ernährung und damit ohne Kalorienreduktion nicht zu erwarten.

Dazu kommt, dass die Konsumenten von Produkten mit Zuckerersatzstoffen diese Produkte oft deshalb wählen, weil Speisen und Getränke mit kalorienarmen/-freien Süßstoffen ihnen dabei helfen, sowohl eine wohlschmeckende Ernährung beizubehalten als auch ihre längerfristigen Ziele hinsichtlich Gewichtskontrolle zu erreichen. Das bedeutet in der Praxis: Kalorienarme/-freie Süßstoffe machen kalorienreduzierte Diätpläne schmackhafter und helfen so manchen Menschen dabei, sie einzuhalten. Tatsächlich hat die Forschung gezeigt, dass kalorienarme/-freie Süßstoffe manchen Personen dabei helfen können, besser mit Heißhunger umzugehen, das Kontrollgefühl zu stärken und weniger Schuldgefühle im Zusammenhang mit ihrer Ernährung zu entwickeln.

Die Ernährungswissenschaftler und Forscher, die diesen Symposiumsbericht erstellt haben, kommen zu dem Schluss, dass es im Interesse der öffentlichen Gesundheit sowie angesichts der gesundheitlichen Auswirkungen von Zucker und der potentiellen Rolle kalorienarmer/-freier Süßstoff wichtig ist, dass alle wissenschaftlichen Belege und sämtliche Erkenntnisse aus laufenden, großen Forschungsprojekten in vollem Umfang dem öffentlichen Gesundheitswesen zugänglich gemacht werden. Dabei heben die Autoren jedoch auch hervor, dass man sich darüber im Klaren sein muss, dass die Vermittlung der Vorteile kalorienarmer/-freier Süßstoffe für die öffentliche Gesundheit selbst bei bester wissenschaftlicher Fundierung scheitern muss, wenn in der öffentlichen Meinung, bei Fachkräften im Gesundheitswesen und bei sonstigen Stakeholdern ein unbegründeter Skeptizismus gegenüber Zuckerersatzstoffen fortbesteht. Daher gilt: Es ist von entscheidender Bedeutung, gegen Fehlinformationen vorzugehen, die in diesem Bereich fortbestehen – der behördlichen Genehmigungen kalorienarmer/-freier Süßstoffe unter Bestätigungen ihrer Sicherheit zum Trotz.

Eine bessere Kommunikation hinsichtlich den Risiken und Vorteilen ist notwendig, um eine ausgewogene Berichterstattung zur Gesamtheit der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu gewährleisten, und vor allem zur Unterstützung umfassender Strategien des öffentlichen Gesundheitswesens zur Reduzierung des übermäßigen Zuckerkonsums, wobei stets das Ziel zu verfolgen ist, positiv auf die menschliche Gesundheit einzuwirken.

  1. Gallagher AM , Ashwell M, Halford JCG, Hardman CA, Maloney NG and Raben A. Low-calorie sweeteners in the human diet: scientific evidence, recommendations, challenges and future needs. A symposium report from the FENS 2019 conference. Journal of Nutritional Science 2021; 10:E7. doi:10.1017/jns.2020.59