Kalorienarm/-frei gesüßte Getränke während der Schwangerschaft wirken sich nicht negativ auf das intestinale Mikrobiom von Kindern aus

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Stellungnahme der ISA zu einer Studie von Laforest-Lapointe et al..

Brüssel, 4. Januar 2021: In Erwiderung auf Behauptungen, die in einer neuen Studie von Laforest-Lapointe et al.1 enthalten sind, weist der Internationale Süßstoffverband (ISA) auf die Ergebnisse der Sicherheitsprüfungen hin, die von Aufsichtsbehörden in aller Welt durchgeführt wurden und die wiederholt und übereinstimmend die Sicherheit aller zugelassenen kalorienarmen/-freien Süßstoffe bestätigt haben, was auch für die Schwangerschaft gilt.2,3,4

Zu den genannten Aufsichtsbehörden gehören die Joint Food & Agriculture Organization (FAO) und das World Health Organization Expert Committee on Food Additives (JECFA) der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die US Food & Drug Administration (FDA) und die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Es braucht eigentlich nicht erwähnt zu werden, dass diese Aufsichtsbehörden für die Zulassung eines Stoffes Studien jeglicher Art auf potentielle Nebenwirkungen hin auswerten, auch solche auf die Darmfunktion.

In diesem Zusammenhang muss unbedingt auch darauf hingewiesen, dass es sich bei der Studie von Laforest-Lapointe et al. um eine Fall-Kontroll-Studie und damit um eine Beobachtungsstudie handelt. Damit sind ihre Ergebnisse in verschiedener Hinsicht nur beschränkt aussagekräftig. Tatsächlich kann eine so angelegte Studie keine Ursache-Wirkung-Beziehung herstellen, denn es bestehen potentiell nicht gemessene und unberücksichtigte Störfaktoren. Darüber hinaus basieren die Ergebnisse dieser Studie nur auf einer kleinen Teilmengenauswahl (n=100) einer größeren Kohorte.

Wie die Autoren selbst anmerken und die Ergebnisse der Studie bestätigen, bestehen mehrere, vom Konsum kalorienarmer/-freier Süßstoffe unabhängige Faktoren, die im Wesentlichen für die Zusammensetzung des intestinalen Mikrobioms von Kindern entscheidend sind.Zu diesen Faktoren gehören zum Beispiel das Stillen, die Art der Geburt, die ethnische Zugehörigkeit, das Alter des Kindes und intrapartal verabreichte Antibiotika. Für diese Faktoren wurden bedeutende Auswirkungen auf die Vielfalt des Mikrobioms festgestellt, wohingegen der Effekt kalorienarm/-frei gesüßter Getränke als minimal eingestuft wird.Die oben angestellten Beobachtungen können noch durch weitere methodologische Mängel der Studie beeinflusst worden sein, darunter potentielle Bemessungsfehler aufgrund der Tatsache, dass die berücksichtigten Mengen zum Konsum der besagten Getränke auf Eigenangaben der Studienteilnehmer beruhen.

Ähnliches gilt für die Vielfalt der Faktoren, die Einfluss auf die Gewichtszunahme und den Körpermasseindex (KMI) einjähriger Kinder haben. Auch hier besteht keine Evidenzgrundlage für einen kausalen, direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum von Diätgetränken während der Schwangerschaft und der Gewichtsentwicklung der Kleinkinder. Bei jeglichen beobachteten Zusammenhängen in Beobachtungsstudie besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Fall umgekehrter Kausalität handelt – dass nämlich schwangere Frauen mit dem Risiko einer übermäßigen Gewichtszunahme zu kalorienarmen/-freien Süßstoffen greifen, um ihre Zucker- und Kalorienaufnahme zu reduzieren.

Übergewicht und nichtübertragbare Krankheiten wie Diabetes und Zahnerkrankungen gehören weiterhin zu den größten globalen Herausforderungen im Gesundheitswesen. Angesichts der bestehenden Empfehlungen öffentlicher Stellen zur Reduzierung des Verzehrs von Zucker können kalorienarme/-freie Süßstoffe zu gesünderen Ernährungsgewohnheiten beitragen. Sie geben dem Verbraucher eine breite Auswahl an gesüßten, kalorienarmen oder -freien Lebensmitteln an die Hand. Das macht sie zu einem nützlichen Hilfsmittel als Zuckerersatz im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung, denn sie helfen bei der Reduzierung des Verzehrs von Zucker insgesamt und der Kalorienaufnahme. Zudem unterstützen sie die Regulierung des Blutzuckerspiegels, was auch für schwangere Frauen und ihr Risiko einer Schwangerschaftsdiabetes gilt.5 Kalorienarme/-freie Süßstoffe werden von der Mundflora nicht fermentiert. Dementsprechend tragen sie nicht zur Entmineralisierung der Zähne bei, die einer der Gründe für Karies ist.6

  1. Laforest-Lapointe I, Becker AB, Mandhane PJ, Turvey SE, Moraes TJ, Sears MR, Subbarao P, Sycuro LK, Azad MB, Arrieta MC. Maternal consumption of artificially sweetened beverages during pregnancy is associated with infant gut microbiota and metabolic modifications and increased infant body mass index. Gut Microbes 2021;13(1):1-15. doi: 10.1080/19490976.2020.1857513. (open access)
  2. http://www.fao.org/food/food-safety-quality/scientific-advice/jecfa/en/
  3. https://www.fda.gov/food/food-additives-petitions/high-intensity-sweeteners
  4. http://www.efsa.europa.eu/en/topics/topic/sweeteners
  5. EFSA Scientific opinion on the substantiation of health claims related to intense sweeteners. EFSA 2011 Journal 9(6): 2229, and 9(4): 2076 and Commission Regulation 432/2012/EU (OJ L 136 25.5.2012, p. 1): http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2012:136:0001:0040:en:PDF
  6. Sugar substitutes and their role in caries prevention, FDI World Dental Federation, September 2008