Schlussfolgerungen des 1. Lateinamerikanischen Wissenschaftlichen Forums zu kalorienarmen/-freien Süßstoffen
Das Wichtigste in Kürze:
- Lateinamerikanische und internationale Experten sind sich einig: Zugelassene kalorienarme/-freie Süßstoffe sind innerhalb der festgelegten Aufnahmegrenzen sicher und können dazu beitragen, den übermäßigen Konsum von freiem Zucker zu reduzieren.
- Klinische Studien und prospektive Kohortenstudien, bei denen Verzerrungen berücksichtigt wurden, stimmen darin überein, dass der Ersatz von Zucker durch kalorienarme/-freie Süßstoffe neutrale oder leicht positive Auswirkungen auf das Körpergewicht und die kardiometabolische Gesundheit hat.
- Die Experten forderten evidenzbasierte Richtlinien und weitere Forschung in Lateinamerika, um zukünftige Ernährungsempfehlungen und Strategien für die öffentliche Gesundheit fundierter zu gestalten.
Der übermäßige Konsum von freiem Zucker stellt in ganz Lateinamerika weiterhin eine große Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar und trägt zur zunehmenden Belastung durch Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes und andere nichtübertragbare Krankheiten (NCDs) bei. Mit dem Ziel, die neuesten Erkenntnisse zur Sicherheit, Wirksamkeit und Verwendung von kalorienarmen/-freien Süßstoffen (LNCS) als Strategie zur Zuckerreduzierung zu bewerten, fand im November 2025 in Mexiko das 1. Lateinamerikanische Wissenschaftsforum zu kalorienarmen/-freien Süßstoffen statt, an dem 25 wissenschaftliche Experten aus ganz Lateinamerika und der ganzen Welt teilnahmen.1
Bewältigung einer großen Herausforderung für die öffentliche Gesundheit
Ein zentrales Thema der Diskussionen war die Rolle von LNCS bei der Unterstützung von Strategien zur Zuckerreduzierung. Experten wiesen darauf hin, dass die Reduzierung des übermäßigen Konsums von freiem Zucker in der gesamten Region weiterhin eine Priorität für die öffentliche Gesundheit darstellt und dass LNCS ein nützliches Instrument sein können, um Zucker im Rahmen gesunder Ernährungsgewohnheiten zu ersetzen. Auch wenn sie nicht als eigenständige Lösung zur Bekämpfung von Adipositas oder zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten angesehen werden, können LNCS dazu beitragen, die Zucker- und Energiezufuhr zu senken, insbesondere durch die Neuformulierung von Produkten und die Substitution zuckergesüßter Lebensmittel und Getränke durch die Verbraucher.
Das Forum kam zu dem Schluss, dass zugelassene LNCS sicher sind, wenn sie innerhalb der festgelegten zulässigen Tagesdosis (ADI) konsumiert werden. Dies steht im Einklang mit den Bewertungen internationaler, regionaler und nationaler Lebensmittelsicherheitsbehörden. Aktuelle Erkenntnisse zeigen zudem, dass die Verzehrmengen in lateinamerikanischen Ländern deutlich unter diesen Sicherheitsschwellen liegen.
Evidenzüberprüfung: Die Unterschiede zwischen den Studiendesigns verstehen
Das Forum prüfte Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), die weithin als das aussagekräftigste Studiendesign zur Feststellung von Ursache-Wirkungs-Beziehungen gelten. Diese Studien zeigen durchweg, dass der Ersatz von Zucker durch LNCS neutrale bis leicht positive Auswirkungen auf das Körpergewicht, die Blutzuckerkontrolle und kardiometabolische Risikofaktoren hat. Langzeit-RCTs, darunter auch aktuelle europäische Studien, deuten zudem darauf hin, dass LNCS die Aufrechterhaltung des Gewichtsverlusts unterstützen können, wenn sie in umfassende Lebensstilinterventionen integriert werden, ohne dabei negative kardiometabolische Auswirkungen zu haben.
Die Experten diskutierten auch die offensichtlichen Diskrepanzen zwischen den Ergebnissen von RCTs und einigen Beobachtungsstudien, die einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von LNCS und negativen gesundheitlichen Folgen festgestellt haben. Laut dem Forum lassen sich diese Unterschiede teilweise durch methodische Einschränkungen erklären, darunter verbleibende Störfaktoren und umgekehrte Kausalität. Beispielsweise wählen Personen, die bereits ein erhöhtes Risiko für Fettleibigkeit, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, möglicherweise eher Produkte mit LNCS, was zu statistischen Zusammenhängen führt, die nicht unbedingt eine kausale Wirkung widerspiegeln. Wenn Beobachtungsstudien geeignete Substitutionsmodelle verwenden und wichtige Störfaktoren berücksichtigen, zeigt sich in der Regel, dass der Ersatz von zuckerhaltigen Produkten durch LNCS neutrale oder positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat.
Politische Auswirkungen für die Region
Die politischen Auswirkungen dieser Ergebnisse waren ein weiterer zentraler Diskussionspunkt auf dem Forum. Experten erörterten die Möglichkeit, dass ohne fundierte Folgenabschätzungen Maßnahmen, die die Verwendung von LNCS verhindern sollen – etwa Warnhinweise auf der Vorderseite der Verpackung – unbeabsichtigte Konsequenzen haben könnten. Zu den möglichen unbeabsichtigten Folgen könnten gehören, dass Anreize für die Neuformulierung von Produkten gemindert werden, das Vertrauen der Verbraucher in zuckerreduzierte Alternativen sinkt und der Konsum von Produkten mit höherem Zuckergehalt möglicherweise zunimmt.
Das Forum betonte die entscheidende Bedeutung einer evidenzbasierten Politikgestaltung, die die gesamte Bandbreite verfügbarer wissenschaftlicher Erkenntnisse berücksichtigt – von klinischen Studien bis hin zu hochwertiger Beobachtungsforschung mit Substitutionsmodellen. Die Teilnehmer betonten auch die Notwendigkeit aussagekräftigerer regionaler Daten, um künftige politische Entscheidungen zu unterstützen.
Stärkung der Evidenzbasis in Lateinamerika
Die Experten identifizierten mehrere Forschungsprioritäten, darunter eine verbesserte Überwachung des Zucker- und Süßstoffkonsums in der Region, die Entwicklung prospektiver Kohortenstudien in lateinamerikanischen Bevölkerungsgruppen sowie zusätzliche RCTs zur Bewertung einzelner Süßstoffe und Süßstoffmischungen. Besondere Aufmerksamkeit gilt auch den besonders schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen, darunter Kinder, schwangere und stillende Frauen sowie Menschen mit Stoffwechselstörungen.
Ausblick
Während die lateinamerikanischen Länder weiterhin Strategien umsetzen, um den Zuckerkonsum zu reduzieren und die wachsende Belastung durch nichtübertragbare Krankheiten zu bewältigen, kam das Forum zu dem Schluss, dass zugelassene LNCS eine unterstützende Rolle spielen können, wenn sie als Zuckerersatz im Rahmen umfassenderer Strategien für öffentliche Gesundheit und Ernährung eingesetzt werden. Kontinuierliche Investitionen in Forschung, Überwachung und evidenzbasierte Kommunikation werden unerlässlich sein, um künftige politische Maßnahmen zu untermauern und sicherzustellen, dass Empfehlungen die sich entwickelnden wissenschaftlichen Erkenntnisse widerspiegeln.