Fachleute weisen auf die Bedeutung der Forschungsuntersuchungen zu kalorienarmen Sástoffen und Fettleibigkeit hin

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Kommentar zur Studie von Azad et al.

 

Höhepunkte:

  • In einer krzlich veröffentlichten Studie, in der Azad et al. behauptet, kalorienarme Sástoffe könnten in Zusammenhang mit erhöhtem Körpergewicht und kardiometabolischen Risiken stehen, stimmen klinische Versuche den Ergebnissen von Beobachtungsstudien nicht zu.
  • Die Auslegung der Studie zeigt einen kritischen Aspekt der Ernährungsforschung. Während Beobachtungsstudien ntzlich bei der šberprfung möglicher Zusammenhänge oder Verbindungen sind, sollten diese Assoziationen in stichprobenartigen klinischen Versuchen ? dem Goldstandard in der Forschung ? vertieft werden.
  • Zusammengenommen untersttzt der vorliegende Nachweis den beabsichtigten Vorteil kalorienarmer Sástoffe als hilfreich bei der Verringerung der Gesamtenergiezufuhr, wenn sie als Ersatz fr Zucker eingesetzt werden.

Von Zeit zu Zeit stöát man auf Onlineberichte, die Zweifel an der Wirkung kalorienarmer Sástoffe auf das Körpergewicht laut werden lassen, ohne dass man diese Behauptungen kritisch infrage stellen kann, vor allem ohne das richtige Hintergrundwissen ber Ernährung oder Medizin. Žhnlich ist es, wenn eine neue Studie von Azad et al.1 vermitteln will, dass die regelmäáige Verwendung nicht-nutritiver Sástoffe laut der Beobachtungsdaten in Zusammenhang mit einem erhöhten Körpermasseindex (BMI) und kardiometabolischen Risiken steht, was Mitte Juli sensationelle Schlagzeilen auslöste, wobei es fr viele sicherlich schwierig war, hinter die šberschriften zu schauen.

Tatsächlich fhren Medientitel oft in die falsche Richtung und in den Artikeln werden die epidemiologischen Studien aufgrund der Art ihrer Beobachtung nicht ausreichend erläutert, entsprechend können sie keine Beweise fr die Verursachung liefern und nur die Verbindung zwischen den Faktoren untersuchen, die sie erforschen wollen. Entsprechend präsentieren wir in diesem Artikel Kommentare von verschiedenen Fachleuten, die die Studie von Azad et al. sorgfältig berprfen , mit dem Ziel, eine kritischere Sicht und Interpretation der Ergebnisse zu liefern.

Die Schlussfolgerung von Azad et al. erscheint gemäá der Experten unberechtigt

In a Online veröffentlichte Antwort2 in the Fachzeitschrift des Kanadischen Žrzteverbands by Dr. John Sievenpiper und seine Kollegen von der Universität Toronto, Kanada, weisen darauf hin, dass ?die Schlussfolgerung von Azad et al., der Beweis bestätige nicht die beabsichtigten Vorteile kalorienarmer Sástoffe, unberechtigt erscheint? und ihre Besorgnis weckt, dass wichtige methodische Ansätze nicht in Betracht gezogen wurden.

Da der beabsichtigte Vorteil kalorienarmer Sástoffe ist, die Kalorienzufuhr zu reduzieren und Zucker durch kalorienarme und kalorienfreie Produkte zu ersetzen, wobei trotzdem der gewnschte sáe Geschmack erhalten bleibt, könnte man erwarten, dass die Studie zum Ziel hat, die Wirkung dieses Kalorienaustauschs auf das Körpergewicht zu untersuchen. Allerdings, basierend auf den Auswahlkriterien der Metaanalyse stichprobenartig kontrollierter Versuche (RCT), schlieát die Studie von Azad et al. Versuche ein, die als Vergleichsmittel Wasser oder Placebo verwenden, und deshalb aufgrund der Art des Vergleichsmittels nicht verwertbar sind. Auf dieser Grundlage kann die Studie keinen Nachweis ber die beabsichtigten Vorteile kalorienarmer Sástoffe liefern.

Darber hinaus weisen Dr. Sievenpiper und seine Kollegen auf die Einschränkungen von Beobachtungsstudien hin, die von Natur aus ?Ursache und Wirkung? nicht nachweisen können. Trotz der Behauptungen von Azad et al. weisen die Autoren dieser Stellungnahme darauf hin, dass die vorausschauende Konzeption von Kohortenstudien verbleibende Verwechslungen nicht beschränkt und die Möglichkeit einer umgekehrten Kausalität vorsehen kann; das bedeutet, dass Personen mit einem erhöhten BMI sich möglicherweise öfter fr kalorienarme Sástoffe entscheiden, da sie bemht sind, ihre Zucker- und Kalorienzufuhr und entsprechend ihr Körpergewicht zu kontrollieren. Entsprechend ist ihre Schlussfolgerung, dass Azad et al. bei ihren Schlussfolgerungen zu viel Gewicht auf die vorausschauenden Kohortenstudien legenDiese Ungewissheiten wollen uns einreden, dass die gegenwärtigen Einschätzungen der vorausschauenden Kohortenstudien nicht vertrauenswrdig sind und neue Forschungsergebnisse wahrscheinlich eine bedeutende Wirkung auf ihre Richtung, Gröáe und Genauigkeit haben werden.?

Studieneinschränkungen sollten bei der Auslegung der gefundenen Ergebnisse beachtet werden

Als Epidemiologe hebt Professor Carlo La Vecchia, Universität Mailand, Italien, hervor, dass ?die Daten aus Beobachtungsstudien (Kohortenstudien) der Parteinahme oder Umkehrverursachung unterliegen und ? nicht berraschend ? gegenteilige Wirkungen auf den Körpermasseindex (BMI) zeigen? [im Vergleich zu RCT]. Weiterhin weist er auf die wenigen in der Metaanalyse der RCT verwendeten Daten zur Aufdeckung der Unterschiede des durchschnittlichen BMI (n=120) und des Körpergewichts (n=345) zwischen Konsumenten kalorienarmer Sástoffe und Kontrollgruppen hin.

Professor Peter Rogers, Universität Bristol, Groábritannien, der krzlich eine ausfhrliche systematische šberprfung und Metaanalyse3 zu diesem Thema durchgefhrt hat, merkte an, dass ?bei Nutzung eines 6-monatigen Kriteriums die Autoren [bei der Studie von Azad et al.] verschiedene relevante Interventionsstudien ausgelassen haben. Erstaunlicherweise sind ihre Interventionsstudien eine Mischung solcher, die LCS mit Wasser und solcher, die LCS mit Zucker vergleichen. Mit Kindern durchgefhrte Studien wurden ausgeschlossen, so wurde das sehr deutliche Ergebnis von Ruyter et al (2012)4 – die bisher leistungsstärkste Studie ? nicht diskutiert.? Im Gegensatz zu den Schlussfolgerungen aus der Studie von Azad et al. verwendete die von Prof. Rogers durchgefhrte umfangreiche systematische šberprfung der Literatur- und Metaanalyse Daten von 56 kurzfristigen Versuchen mit 218 Vergleichen, 13 nachhaltigen Interventionsversuchen und 10 vorausschauenden Kohortenstudien, bei denen nach Abwägung der Beweise insgesamt herausgefunden wurde, dass die Verwendung kalorienarmer Sástoffe (LCS) anstelle von Zucker bei Kindern und Erwachsenen zu einer Reduzierung von Energiezufuhr und Körpergewicht fhrten.

In ähnlicher Weise stimmte die eingetragene Ernährungswissenschaftlerin Sigrid Gibson, auch Autorin verschiedener wissenschaftlicher Veröffentlichungen zum Thema kalorienarme Sástoffe, zu und merkte an, dass ?der von Azad bi den 7 RCT gewählte Vergleich war LCS vs. Wasser oder Placebo, nicht LCS vs. Zucker oder mit Zucker gesáten Getränken. Deshalb ist die Schlussfolgerung des Dokuments, dass ?Die aus den RCT gewonnenen Beweise die beabsichtigten Vorteile kalorienarmer Sástoffe fr das Gewichtsmanagement nicht deutlich untersttzen ? irrefhrend, da sie sich nicht auf ihre beabsichtigte Verwendung, das Ersetzen des Zuckers, bezieht. Dass LCS die gleiche Wirkung wie Wasser oder Placebo auf das Körpergewicht haben ist aufgrund ihres geringen Kaloriengehaltes genau wie erwartet. Die Metaanalyse der Versuchsdaten zeigt, dass die gesamte Wirkung der LCS ein sehr geringer, unwesentlicher Rckgang des Gewichts oder BMI ist. Die aus den Dokumenten gewonnenen Schlussfolgerungen scheinen den Kohortendaten mehr Gewicht zu geben, die beobachtenden Charakter haben und verwirrend sind.?

Trotz der Medienschlagzeilen sollten kalorienarme Sástoffe gemäá ihres von der Wissenschaft bestätigten Verwendungszwecks betrachtet werden; sie sind sá schmeckende, praktisch kalorienfreie Zutaten, die Speisen und Getränken in winzigen Mengen anstelle von Zucker zugegeben werden. Obwohl kalorienarme Sástoffe kein Zaubermittel fr den Gewichtsverlust darstellen, ist die groáe Mehrheit der Experten der Meinung, dass die beabsichtigte Verwendung kalorienarmer Sástoffe anstelle von Zucker dabei hilft, die Gesamtenergiezufuhr zu reduzieren und so die Gewichtskontrolle untersttzt.

In Zeiten, in denen die Fettleibigkeitsrate weltweit epidemische Ausmaáe annimmt und jede verfgbare Strategie zur Kalorienreduzierung und Gewichtsverlust wichtig ist, verdienen es die Menschen, klare und auf Beweisen basierende Informationen ber die Wirkung kalorienarmer Sástoffe auf das Körpergewicht zu erhalten.

Fr weitere Informationen ber die Reaktion auf die Studie von Azad et al. bitte hier klicken.

  1. Azad M., Abou-Setta AM., Chauhan BF., et al. Nicht-nutritive Sástoffe und kardiometabolische Gesundheit: Eine systematische šberprfung und Metaanalyse stichprobenartig kontrollierter Versuche und vorausschauende Kohortenstudien. Fachzeitschrift der kanadischen Gesellschaft fr Medizin, Juli 2017; 189: E929-39
  2. Sievenpiper JL, Khan TA, Ha V, Viguiliouk E, Auyeung R. Die Bedeutung der Forschungsuntersuchungen bei der Beurteilung nicht-nutritiver Sástoffe und kardometabolischer Gesundheit. Ein Antwortschreiben an Azad et al zur Studie CMAJ. Online verfgbar: http://www.cmaj.ca/content/189/28/E929/reply#cmaj_el_733381
  3. Rogers PJ, Hogenkamp PS, de Graaf C, et al. Beeinflusst der Konsum kalorienarmer Sástoffe Energieaufnahme und K”rpergewicht? Eine systematische šberprfung einschlieálich Metaanalysen anhand von Studien an Mensch und Tier. Int J Obes (Lond) 2016; 40: 381-94.
  4. de Ruyter JC, Olthof MR, Seidell JC, Katan MB. Ein Versuch zuckerfreier oder mit Zucker gesáter Getränke und K”rpergewicht bei Kindern. N Engl J Med 2012; 367: 1397-1406