Was sagt die neueste Forschung über kalorienarme/-freie Süßstoffe und Diabetes? Neue Erkenntnisse anlässlich des Weltdiabetestags 2026

Der Weltdiabetestag am 14. November bietet die Gelegenheit, die Bedeutung der Ernährung für frühzeitiges Handeln bei der Prävention und dem Management von Diabetes hervorzuheben. Für Menschen mit Diabetes können fundierte Ernährungsentscheidungen, ein bewusster Umgang mit Kohlenhydraten und die Verringerung eines übermäßigen Verzehrs von freiem Zucker zu einer insgesamt gesunden Ernährungsweise beitragen, die für gesunde Blutzuckerwerte entscheidend ist.

Eine Verringerung der Zuckeraufnahme bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, auf süß schmeckende Lebensmittel und Getränke verzichten zu müssen. Kalorienarme/-freie Süßstoffe (LNCS) bieten eine Möglichkeit, die Zuckeraufnahme zu verringern und zugleich den süßen Geschmack beizubehalten. Die Erkenntnisse zu ihrer Rolle im Diabetesmanagement sind jedoch teilweise widersprüchlich und müssen im Kontext unterschiedlicher Studiendesigns und -ergebnisse interpretiert werden.1 Systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen randomisierter kontrollierter Studien (RCTs) weisen im Allgemeinen auf neutrale Auswirkungen von LNCS auf die Blutzuckerwerte hin, was von Vorteil sein kann, wenn LNCS Zucker ersetzen, der andernfalls nach dem Verzehr von Lebensmitteln zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels führen würde.2 Metaanalysen von Beobachtungsstudien haben dahingegen zu uneinheitlichen Ergebnissen geführt, die je nach Studienmethodik und Verwendung biasbereinigter Analysen variieren.1–4

Weitere Studien am Menschen können helfen, die Auswirkungen von LNCS auf die Blutzuckerregulation und andere Aspekte der Stoffwechselgesundheit zu klären. Drei neue Studien, die im Jahr 2026 veröffentlicht wurden, liefern hierzu neue Erkenntnisse. Sie untersuchen die Auswirkungen süßstoffhaltiger Getränke und einzelner LNCS auf die Blutzuckerkontrolle, die Insulinempfindlichkeit und hormonelle Reaktionen.

Was bedeuten diese Ergebnisse für Menschen mit Diabetes, und welche Schlüsse lassen sich daraus für die Rolle von LNCS in einer ausgewogenen Ernährung ziehen?

 

Zucker ersetzen, ohne die Blutzuckerkontrolle zu beeinträchtigen

Für Menschen mit Diabetes kann es wichtig sein, die Zuckeraufnahme zu senken und zugleich auf eine ausgewogene und genussvolle Ernährung zu achten. Zuckergesüßte Getränke durch mit LNCS gesüßte Getränke zu ersetzen, ist im Diabetesmanagement eine gängige Praxis, um einen Anstieg des Blutzuckerspiegels zu vermeiden. Der potenzielle Nutzen dieses Austauschs ist jedoch weiterhin Gegenstand von Diskussionen; am häufigsten wird empfohlen, für eine bessere Blutzuckerkontrolle alle gesüßten Getränke durch Wasser zu ersetzen. Die 2026 in Diabetes Care veröffentlichte randomisierte kontrollierte SODAS-Studie untersuchte daher bei 181 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes, ob der Ersatz von LNCS-gesüßten Getränken durch Wasser die Blutzuckerkontrolle verbesserte.5 Die Teilnehmenden tranken entweder weiterhin ein LNCS-gesüßtes Getränk ihrer Wahl oder ersetzten es 24 Wochen lang durch Wasser.

Entgegen der Erwartung, dass der Ersatz von LNCS-gesüßten Getränken durch Wasser die glykämischen Ergebnisse verbessern würde, stieg der HbA1c-Wert in der Wassergruppe um 0,29 Prozentpunkte stärker als in der LNCS-Getränkegruppe. Bei den sekundären Endpunkten, einschließlich Nüchternglukose, Körpergewicht und Messwerten der kontinuierlichen Glukoseüberwachung, wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede festgestellt. Die Ergebnisse liefern wertvolle Erkenntnisse für Menschen mit Diabetes, die weiterhin süß schmeckende Getränke genießen und zugleich ihre Zuckeraufnahme senken möchten.

 

Beeinflussen Süßstoffe die Insulinempfindlichkeit und hormonelle Reaktionen?

Die Insulinempfindlichkeit ist ein weiterer wichtiger Aspekt der Stoffwechselgesundheit. Eine kleine Pilotstudie im Journal of the Endocrine Society untersuchte die Auswirkungen des Saccharinkonsums bei 14 Erwachsenen mit Übergewicht.6 Die Teilnehmenden nahmen drei Monate lang täglich 5 mg Saccharin je Kilogramm Körpergewicht zu sich. Mithilfe des hyperinsulinämisch-euglykämischen Clamps, einem etablierten Verfahren zur direkten Messung der Insulinempfindlichkeit, stellten die Forschenden keine signifikante Veränderung der Insulinempfindlichkeit oder des Körpergewichts fest. Die geringe Stichprobengröße und das Fehlen einer Kontrollgruppe schränken jedoch die Aussagekraft ein.

Eine weitere randomisierte kontrollierte Studie in The Journal of Nutrition untersuchte die akuten Wirkungen von Stevia in drei Gruppen: Personen mit Normalgewicht, Personen mit Übergewicht und Menschen mit Typ-2-Diabetes.7 In einem Crossover-Design erhielten die Teilnehmenden Stevia, Wasser, Glukose oder Stevia zusammen mit Glukose. Stevia allein veränderte die Reaktionen gegenüber Wasser nicht signifikant; auch die Zugabe von Stevia zu Glukose führte gegenüber Glukose allein zu keinen signifikanten Veränderungen. Die Forschenden fanden keine wesentlichen Unterschiede bei Blutzucker, Insulin oder mehreren an der Glukoseregulation und Appetitsteuerung beteiligten Darm- und Pankreashormonen, darunter GLP-1, GIP und Glukagon. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der akute Verzehr von Stevia die gemessenen glykämischen, hormonellen und appetitbezogenen Reaktionen auch bei Teilnehmenden mit Typ-2-Diabetes nicht wesentlich veränderte.

 

Die Ergebnisse einordnen

Zusammen tragen diese Studien zu den sich ständig erweiternden Erkenntnissen über LNCS und die Stoffwechselgesundheit bei. Bei den untersuchten Süßstoffen zeigten sich keine Auswirkungen auf die gemessenen glykämischen Ergebnisse oder die Insulinempfindlichkeit, obwohl sich die Studien hinsichtlich Design, Dauer und untersuchter Personengruppe deutlich unterscheiden.

Für das Diabetesmanagement bleibt der gesamte Ernährungskontext entscheidend. Menschen, die süß schmeckende Produkte bevorzugen, können LNCS als zusätzliche Möglichkeit nutzen, zuckerhaltige Alternativen zu ersetzen. Dadurch lässt sich die Zuckeraufnahme möglicherweise senken, ohne auf Süße verzichten zu müssen. Diabetes-bezogene Organisationen wie die American Diabetes Association (ADA), die Diabetes and Nutrition Study Group der European Association for the Study of Diabetes (EASD) und Diabetes UK erkennen eine mögliche Rolle von LNCS bei der Diabeteskontrolle an.

Die zentrale Botschaft zum Weltdiabetestag lautet: Ein wirksames Diabetesmanagement hängt von einer insgesamt gesunden Ernährungsweise, den individuellen Bedürfnissen und fundierten Entscheidungen ab. LNCS können als mögliches Hilfsmittel zur Zuckerreduktion betrachtet werden, nicht als eigenständige Lösung bei Diabetes. Weiterführende hochwertige Forschung wird dazu beitragen, ihre Rolle in unterschiedlichen Ernährungskontexten zu klären.

  1. Ayoub-Charette S, Nguyen M, Chiavaroli L, et al. Low- and no-calorie sweeteners and health: unravelling the evidence and controversy. Appl Physiol Nutr Metab. 2026 Jan 1;51:1-11.
  2. Ayoub-Charette S, Kavanagh M, Khan T, Sievenpiper J. Reconciling conflicting evidence on low- and no-calorie sweeteners and cardiometabolic outcomes: an umbrella review using naïve and bias-adjusted methods. Appl Physiol Nutr Metab. 2025 Jan 1;50:1-26.
  3. Lu S, Lu Y, Xu R, et al. The longitudinal association between artificial sweetener intake and the risk of type 2 diabetes among adults aged 18 years and older: a systematic review and meta-analysis. Front Nutr. 2026 Aug 11;13:1886458.
  4. Lück A, Standl F, Stich H. Artificial sweeteners and their implications for patients with diabetes: a systematic review and meta-analysis. J Med Life. 2026 Jan;19(1):33-42.
  5. Odegaard AO, Chang J, Jiang L, et al The Effect of Substituting Water for Artificially Sweetened Beverages on Glycemic and Weight Measures in People With Type 2 Diabetes: The Study of Drinks With Artificial Sweeteners (SODAS), a Randomized Trial. Diabetes Care. 2026 Feb 1;49(2):239-246.
  6. Kalin K, Rådholm K, Olsson L, et al. Effects of saccharin on insulin sensitivity in adult, overweight individuals without diabetes: a real-world pilot study. J Endocr Soc. 2026 Apr 17;10(6):bvag096.
  7. Scott CE, Adams CG, Williamson P, Hutton TK, Wilcox ML, Guarneiri LL, Maki KC. Acute Stevia Consumption Does Not Alter Endocrine Responses in Individuals with Normal Weight, Overweight, and Type 2 Diabetes Mellitus. J Nutr. 2026 Sep 1;156(11):101814.
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