Kalorienarme Sástoffe: vom wissenschaftlichen Beweis? bis zur praktischen Anwendung

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Autor(en) : Audrey Aveaux*

Wissenschaftliche Neuigkeiten von der AFDN-Konferenz in Frankreich im Juni 2018

 

Höhepunkte:

  • Seit vielen Jahrzehnten bekannt, haben kalorienarme Sástoffe eine lange Geschichte sicherer Verwendung berall auf der Welt. In Frankreich ANSES (französische Behörde fr nationale Ernährungs- und Gesundheitssicherheit) wurde im Januar 2015 ein ausfhrlicher Erinnerungshinweis zu deren Sicherheit 1veröffentlicht.
  • Kalorienarme Sástoffe sind nicht vergärbar und verursachen deshalb keine Zahnkaries. Auf der Grundlage eines wissenschaftlichen Gutachtes genehmigte in 2011 EFSA (Europäische Behörde fr Ernährungssicherheit), autorisierte die Europäische Kommission eine Gesundheitsforderung, in der bestätigt wurde, dass ?intensive Sástoffe die Zahnmineralisierung durch verminderte Demineralisierung der Zähne erhalten, wenn sie anstelle von Zucker konsumiert werden ?2.
  • Kalorienarme Sástoffe können Diabetiker ntzlich sein und ganz allgemein den Umgang mit dem Körpergewicht untersttzen.
  • Dank der kalorienarmen Sástoffe können die Verbraucher Produkte mit reduziertem Zuckergehalt auf dem Markt finden und ihre eigenen Rezepte mit weniger Kalorien verwenden.

Einfhrung

?Rolle und Vorteile kalorienarmer Sástoffe: Wissenschaftliche Neuigkeiten und leckere Rezepte!?: Dies ist der Titel eines vom Internationalen Sástoff-Verband (ISA) ausgerichteten Symposiums im Rahmen des 56. Kongresses der AFDN (Verband der Französischen Ernährungswissenschaftler und -berater). Dieses Symposium fand am 8. Juni 2018 in Antibes (Frankreich) statt.
Aus diesem Anlass präsentierte Audrey Aveaux, Ernährungswissenschaftlerin und -beraterin aus Paris, die neuesten Forschungsergebnisse rund um Verwendung und Rolle kalorienarmer Sástoffe. Die beim Symposium anwesenden Ernährungswissenschaften und -berater konnten anschlieáend an einer Sitzung mit wohlschmeckenden zuckerreduzierten Nachspeisen teilnehmen, die von Christian Cottard, Konditormeister aus Antibes geleitet wurde.

Was sagen neueste Informationen aus der Wissenschaft zur Rolle kalorienarmer Sástoffe bei der Ernährung?

Unveränderte Darmfunktion

Zwei in 2016 veröffentlichte šberprfungen3,4 nahmen Stellung zu diesem Thema, das momentan sehr populär ist. Beide kamen zu dem Schluss, dass der Konsum kalorienarmer Sástoffe anscheinend keine Auswirkungen auf die Darmfunktion oder eine negative Wirkung auf die menschliche Darmflora haben. Des weiteren bestätigen diese Veröffentlichungen Ergebnisse bisheriger Humanstudien, dass die Aktivierung der Darmrezeptoren fr sáen Geschmack keine Auswirkung auf die gastrische Motilität, die Absonderung von Darmhormonen oder auf Reaktionen des Appetits haben3.

Der Appetit auf Sáes wird nicht verstärkt

Eine in2015 veröffentlichte wissenschaftliche šberprfung5 kommt zu dem Schluss, dass es keine Ursache-Wirkung-Beziehung zwischen dem Konsum kalorienarmer Sástoffe und den Appetit auf Sáes gibt. Insbesondere in Hinblick auf Getränke veröffentlichte eine französische Studie zu Beginn des Jahres (2018)6die Bestätigung, dass Diätgetränke, im Vergleich zu Wasser, keine Auswirkungen auf die Nahrungsaufnahme oder den Wunsch auf Sáes haben, weder bei gelegentlichen noch regelmäáigen Konsumenten kalorienarmer Sástoffe.

Bestätigung der vorteilhaften Wirkung auf den Gewichtsverlust

Kalorienarme Sástoffe bieten den Genuss sáen Geschmacks ohne zusätzliche Kalorien. Sie allein fhren nicht zu Gewichtsverlust. Allerdings helfen sie im Rahmen einer kalorienarmen Ernährung, durch den Austausch von Zucker durch kalorienarme Sástoffe, die Gesamtkalorienzufuhr zu reduzieren und so einen gröáeren Gewichtsverlust zu erzielen. Die umfangreichsten in 2016 veröffentlichten šberprfungen von Studien zu diesem Thema 7, kamen zu dem Ergebnis, dass die Verwendung kalorienarmer Sástoffe anstelle von Zucker zu einer Verringerung der Kalorienaufnahme und des Körpergewichts fhrt. Weiterhin zeigte ein stichprobenartig kontrollierter Versuch in 2016,8 dass bei Verwendung als Ersatz fr mit Zucker gesáten Versionen, Diätgetränke manchmal sogar effizienter als Wasser bei Programmen der Gewichtskontrolle, besonders während der Stabilisierungsphase, sind. Aus anderen Studien geht hervor, dass sich kalorienarme Sástoffe bei ad libitum Verwendung und ohne Kalorienersatz in ihrer Wirkung auf die Zufuhr von Nahrung und Energie sowie den Gewichtsverlust ähnlich wie Wasser verhalten.6,9.

Eine kleine Hilfe fr Diabetiker mit einer Vorliebe fr Sáes

Drei systematische šberprfungen einschlieálich Metaanalysen stichprobenartig kontrollierter klinischer Versuche, veröffentlicht in 2016, 2017 und 201810,11,12, kommen zu dem Schluss, dass die verschiedenen kalorienarmen Sástoffe glykämische Parameter wie Glykämie nach den Mahlzeiten, Insulinabsonderung oder glykiertes Hämoglobin nicht beeinträchtigen.
Die bestätigt erneut die Position der Diabetesfachkräfte zu diesem Thema. Im Februar 2018 bestätigte die britische Diabetes-Gesellschaft im Rahmen ihrer Empfehlungen fr Diabetesprävention und -management, dass kalorienarme Sástoffe auch fr Diabetiker empfohlen werden können13.

Vom Nachweis zur praktischen Anwendung

Kalorienarme Sástoffe werden als Ersatz fr Zucker in Speisen und Getränken verwendet und sorgen so dafr, dass Verbraucher Sáes auch mit weniger Zucker genieáen könnenr. Dies ist der Fall bei verschiedenen Nachspeisen, Sáigkeiten, Marmeladen, Eiscremes usw.. Dank kalorienarmer Sástoffe stehen Getränke, sogar Diätgetränke (die normalerweise keine Zuckerzusätze und deshalb keine Kalorien enthalten), auch mit einem reduzierten Zuckergehalt zur Verfgung.
Weiterhin gibt es auf dem Markt erhältliche Haushaltssástoffe (in Pulverform, Tabletten, flssig oder sogar als Wrfel). Durch sie wird es möglich, den Zucker zu ersetzen, der manchmal sogar heiáen Getränken und Milchprodukten zugegeben wird, und die fr die einfache Verwendung zuhause als Zuckerersatz gedacht sind. Aufgrund ihrer hohen Sáe in sehr kleinen Mengen in Spendern verwendet, können diese Haushaltssástoffe den in Mousse, Cremes, Schlagsahne, Vanillesoáen und damit in Verbindung stehende Nachspeisen verwendeten Zucker ersetzen (Puddings, Kirschkuchen, bayerische Creme; Charlottes, Törtchen usw.). Menge und Textur sind wie bei Zucker in gebackenem Teig werden durch sie nicht verändert.

 

Während des ISA-Symposium in Antibes fhrte Konditormeister Christian Cottard eine Verkostung durch, bei der er vier verschiedene Nachspeisen ohne Zuckerzusatz reichte: eine Schale mit Vanille-Erdbeer-Mousse, eine Zitrone-Himbeer-Millefeuille, ein Choux-Teilchen mit Schokoladencreme und eine feine intensive Schokoladentorte mit Kaffeecremehäubchen. Die Anwesenden nahmen diese leckeren Rezepte gerne mit nach Hause. /p>

Erkenntnisse

Kalorienarme Sástoffe verleihen sáen Geschmack ohne Zucker; weiterhin verursachen sie keine Zahnkaries, enthalten keine Kalorien und haben keine Auswirkungen auf den Blutzucker, wodurch sie noch relevanter im Kontext der heutigen Ernährungsempfehlungen sind. Neueste wissenschaftliche Veröffentlichungen bestätigen, dass sie zwar nicht unentbehrlich sind, aber sehr ntzlich sein können, Diabetes und mit šbergewicht in Verbindung stehende Probleme zu untersttzen, ohne den Appetit auf Sáes zu erhöhen. Ihr Konsum als Teil einer ausgeglichenen Ernährung und einer insgesamt gesunden Lebensweise ermöglicht es, Essgenuss und Gesundheit täglich zu verbinden.

By Audrey Aveaux, Ernährungswissenschaftlerin und -beraterin

  1. ANSES, Evaluation des b‚n‚fices et des risques nutritionnels des ‚dulcorants intenses, January 2015.
  2. EFSA NDA. Wissenschaftliche Meinung bei der Begrndung gesundheitsbezogener Angaben bezogen auf intensive Sástoffe und Beitrag zur Erhaltung oder Erlangung eines normalen K”rpergewichts, Reduzierung postpandrialer glykämischer Resonanzen, Einhaltung normaler Blutzuckerkonzentrationen und Einhaltung der Zahnmineralisierung durch Verminderung der Zahnentmineralisierung gemäá Artikel 13(1) der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006. EFSA-Fachzeitschrift 2011 9: 2229.
  3. Bryant C et al. Noch kein Nachweis fr die Wirkung auf die menschliche Darmfunktion. Physiologie und Verhalten 2016; 164(Pt B): 482-5.
  4. Magnuson BA et al. Biologisches Schicksal kalorienarmer Sástoffe. Nahrungsmittelberprfungen, 2016; 74(11): 670-689.
  5. Bellisle F. Intensive Sástoffe, Appetit auf sáen Geschmack und Beziehung zum Gewichtsmanagement. Curr Obes Rep. 2015; 4(1): 106-10. Doi: 10.1007/s13679-014-0133-8.
  6. Fantino M et al. Getränke mit kalorienarmen Sástoffen unterscheiden sich in ihrer Wirkung auf Appetit, Energiezufuhr und Nahrungsmittelauswahl bei gesunden, nicht bergewichtigen franz”sischen Erwachsenen nicht von Wasser. Appetit 2018; Mar 8. pii: S0195-6663(18)30066-7. doi: 10.1016/j.appet.2018.03.007. [Epub erscheint in Krze]
  7. Rogers PJ et al. Beeinflusst der Konsum kalorienarmer Sástoffe Energieaufnahme und K”rpergewicht? Eine systematische šberprfung einschlieálich Metaanalysen anhand von Studien an Mensch und Tier. Int J Obes 2016; 40(3): 381-394.
  8. Peters JC et al. Die Wirkung von Wasser und nicht-nutritiv gesáter Getränke auf Gewichtsabnahme und Gewichtserhaltung: Eine stichprobenartige klinische Studie. Fettleibigkeit (2016) 24, 297-304.
  9. Higgins KA, Considine RV, und Mattes RD. Ein 12-w”chige Aspartamverbrauch fhrt nicht zu Beeinträchtigungen von Glykämie, Appetit, oder K”rpergewicht bei gesunden, schlanken Erwachsenen während eines stichprobenartigen Kontrollversuchs. J Nutr 2018;148:650?657
  10. Romo-Romo A et al. Wirkung nicht-nutritiver Sástoffe auf Glukosestoffwechsel und appetitregulierende Hormone: Systematische šberprfung vorausschauender Beobachtungsstudien und klinischer Versuche. PLos ONE 2016; 11(8): e0161264.
  11. Tucker RM et al. Beeinflussen nutritive Sástoffe die akute Glukosehom”ostase beim Menschen? Eine systematische šberprfung. Physiologie und Amp., 1. Dezember 2017, Volume 182, Pages 17-26.
  12. Nichol AD et al. Glykämische Auswirkungen nicht-nutritiver Sástoffe: Eine systematische šberprfung und Metaanalyse stichprobenartig kontrollierter Versuche. Eur J Clin Nutr 2018; 72: 796-804.
  13. Dyson PA et al. Auf Beweise gesttzte britische Diabetes-Ernährungsrichtlinien zur Diabetesvorbeugung und -kontrolle. Diabet Med. 2018; 35: 541-547.